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Gute Freunde, schlechte Freunde – wie bewusst bist du in deinen Beziehungen?

Jede Beziehung ist ein abhängiges Entstehen!!!!! Zahlreiche Bedingungen und unterschiedliche Ereignisketten kommen zusammen wenn zwei Lebenswelten einander begegnen. 

Wenn Menschen sich begegnen und eine Beziehung eingehen – sei es eine Liebesbeziehung, eine Freundschaft, eine Geschäftsbeziehung oder irgendeine andere Art von Beziehung – dann haben sie mindestens eine Gemeinsamkeit. Oder etwas rationaler ausgedrückt, es gibt einen gemeinsamen Referenzpunkt. 

Im Falle einer Arbeitsbeziehung ist der Referenzpunkt vielleicht ein gemeinsames Projekt. Und zwei Frauen, die Freundinnen werden, haben vielleicht ein gemeinsames Hobby. Oder beide gehen gern Pasta essen und unterhalten sich dabei gern über ihre Haustiere. 

Selbst in einer Liebesbeziehung, in der sich Gegensätze angezogen haben, gibt es doch den übereinstimmenden Wunsch nach einer Beziehung. 

Wie auch immer … man hat sich zusammen gefunden und nun wirken zwei Faktoren ganz entscheidend auf diese Beziehung ein: 

  1. Die Unbeständigkeit aller Dinge durch den ständigen Wandel der Welt. Nichts ist beständig, alles verändert sich. Wohin sich alles verändert, hängt wiederum mit einer Vielzahl von Bedingungen und Faktoren ab. 
  2. Das Streben nach Gleichheit (Der Mensch ist so gestrickt, dass er gern mit Menschen zusammen sein möchte, die ihm ähnlich sind und fremdartigen Menschen mit Abneigung begegnet.) (Machte früher Sinn, als wir noch halbnackt durch die Wälder zogen und auf den Schutz unserer Sippe angewiesen waren) 

Dieses Streben nach Gleichheit liegt an unserem Wunsch nach Kooperation. Wir sind von Natur aus soziale, altruistische Wesen, die kooperieren wollen. 

Aber da ist ja noch das Ego. Das Ego hält seinen Referenzpunkt für den richtigen und möchte den anderen gern auf seinen Nenner und so Gleichheit schaffen. Das Ego sieht vor allem seine Bedürfnisse und setzt alles daran, diese erfüllt zu bekommen. 

Wenn dies nicht gelingt, weil es starke Abweichungen gibt, kann es passieren, dass die gesamte Aufmerksamkeit plötzlich nur noch auf die Abweichung gerichtet wird. Wir sind dann völlig auf die Ungleichheit fixiert. Das führt dann zu der Interpretation „Mit der anderen Person oder mit der Beziehung stimmt etwas nicht“. 

Selbst wenn beide Seiten über ihre Bedürfnisse sprechen. Wenn zwei Egos nach Gleichheit streben, wird es allenfalls auf einen Kompromiss hinauslaufen. Und selbst das wird dem Ego noch widerstreben. 

Bewusstsein in die Beziehung bringen

Nehmen wir an, wir haben nun beschlossen, weniger egoistische Beziehungen zu führen. Wir wollen also anderen ein guter Freund / eine gute Freundin sein und sie dabei unterstützen ebenfalls gute Freunde für andere zu sein. 

Aber was ist denn ein guter Freund und was ist ein schlechter Freund? 

Dazu ein Text von Thogme Sangpo, der Ende des 13. Jahrhunderts in Tibet geboren wurde: 

„Wenn durch jene, mit denen ich befreundet bin, die drei Gifte (Begierde, Hass, Verblendung) zunehmen, wenn Lernen, Nachdenken und Meditieren degenerieren und Liebe und Mitgefühl zunichte gemacht werden, dann sind diese schlechten Freunde aufzugeben.“

„Wenn jedoch durch jene, denen ich mich anvertraue, die Fehler getilgt werden und die Qualitäten wie der zunehmende Mond anwachsen, dann sollte ich solche edlen Freunde mehr schätzen als meinen eigenen Körper.“ 

Übersetzt kann das heißen, dass Menschen, die uns aufwühlen und uns runterziehen, die uns in unserer Bewusstseinsentwicklung bremsen und die uns davon abhalten liebevoll und mitfühlend zu sein … dass solche Menschen keine guten Freunde sind. 

Gute Freunde sind stattdessen solche, die dich dabei unterstützen, bewusst und achtsam zu sein,    liebevoll, mitfühlend, gelassen und geistig ruhig und ausgeglichen. 

Soweit der Ratschlag von Thogme Sangpo. 

Nun, da du hier gerade zuhörst und mit meditierst … hast du diese Ausrichtung auf ein bewusstes, achtsames Leben vermutlich bereits. 

Es ist ja so, dass wenn wir anfangen zu meditieren und uns dadurch selbst besser kennenlernen und wenn wir uns mit unserem Bewusstsein beschäftigen und Achtsamkeit üben, dann verändert uns das. Wir fühlen besser und ausgeglichener, sind zufriedener und wollen unser Leben sinnvoll gestalten. 

Vermutlich wollen diese neuen Erkenntnisse und Erfahrungen dann mit unseren Freunden teilen und ihnen auch ermöglichen diese Erfahrungen zu machen. Das ist dann aber so, wie mit dem Veganer, der seinen Schnitzel liebenden Freund vom Fleischverzicht überzeugen möchte: Das kann nur funktionieren, wenn der Freund dafür offen ist. 

Eckart Tolle sagt dazu in seinem Buch Jetzt – die Kraft der Gegenwart (er bezieht sich hier auf eine Paarbeziehung): „Wenn du in deiner Beziehung ständig oder zumindest überwiegend gegenwärtig bist, wird das die größte Herausforderung für deinen Partner sein. Er/Sie wird deine Gegenwärtigkeit nicht lange ertragen können, ohne bewusst zu werden. Wenn sie bereit sind, werden sie durch die Tür gehen, die du geöffnet hast, und im Zustand der Präsenz mit dir zusammenkommen. Wenn nicht, dann werdet ihr euch wie Öl und Wasser voneinander trennen. Das Licht ist zu schmerzhaft für jemanden, der im Dunkeln bleiben möchte.“

Es geht also nicht darum, etwas mit großen Worten zu erklären oder jemanden zu überzeugen. Es geht darum, einfach zu sein. Und auch den anderen Sein zu lassen. Präsent sein, bewusst sein und dem anderen/der anderen Raum geben. 

Dabei halte ich es für besonders wichtig, wirklich auf die eigene Präsenz zu achten und sich nicht nicht in die Unruhe des Gegenübers verstricken zu lassen. Denn wie Eckart Tolle es beschreibt, ist es für das Ego des anderen / der anderen äußerst schmerzhaft mit Bewusstsein zusammenzutreffen und es wird sich dagegen wehren. 

Nun ist es so, dass nicht nur Bewusstsein ansteckend sein kann. Unbewusstheit und destruktive Emotionen sind noch viel ansteckender. Und deshalb ist mein Rat für dich: Wenn du merkst, dass du den bewussten Raum nicht mehr halten kannst und dein Freund/deine Freundin destruktiv wird, dann nimm dir die Freiheit, die Situation zu verlassen, ohne selbst destruktiv zu werden. 

Denn schlussendlich ist so, dass die wichtigste Beziehung, die du im Leben führst, die Beziehung zu dir selbst ist. Wenn du für dich Verantwortung übernehmen kannst, dann kannst du dies auch von anderen erwarten und sie dabei unterstützen. 

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